Archiv für Dezember 2012

Vorsicht vor alten Frauen!

Es ist nun schon ein Weilchen her seit mir folgendes passiert ist. Doch dieses Ereignis hat mein Leben verändert, denn es zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch meinen Alltag…
Vor nun fast genau drei Jahren zog es ein paar Freunde und mich mal wieder auf den Zeltplatz nach Altefähr, um die Zeit zwischen schriftlichen und mündlichen Prüfungen zu überbrücken. Von morgens (oder eher mittags) bis zum Morgengrauen in der Gruppe sitzen und geistreichen, durch Alkohol beeinflusste, Ergüssen über sich ergehen lassen. Klar dass das einem irgendwann auch mal zu viel wird. Ich klinkte mich aus der Gruppe aus und zog es vor mich ans Wasser zu setzen und zu starren. Nach stundenlangen Gestarre hatte ich aber auch davon die Nase voll und zog es vor, einen Spaziergang entlang der Küste in Richtung Ortsmitte.
Während ich dann am Strand meine Runden drehte, bildeten sich am Himmel düstere Regenwolken. Doch das war zu dem Zeitpunkt scheinbar nicht das einzige was sich bildete. Hinter mir schien eine Frau fortgeschrittenen Alters ebenfalls etwas zu bilden, nämlich Interesse an mir. Hatte ich erst noch gut 20 Meter Vorsprung, so schmolz dieser bedrohlich zusammen bis sie mich dann endlich eingeholt hatte. Verzweifelt hatte ich versucht mein Schritttempo zu erhöhen, doch es war vergebens. Um ihr zu entkommen hätte ich los sprinten müssen.
Die Frau, ich schätze sie so um die 55, kam unter ihrem Regenschirm hervorgekrochen und begrüßte mich mit den Worten „Regnet’s noch?“. Nun war ich also gefangen. Gefangen in einem Gespräch. Mitten am Strand, ganz alleine. Kein Haus weit und breit.
Sie füttert mich mit Informationen, wie das sie eigentlich gar nicht von hier ist. Die Dame kommt aus dem Süden der Republik und ist nur geschäftlich ein paar Tage hier.
Während sie mir das erzählt, erblicke ich die Stadt und bin voller Hoffnung dem Gespräch bald entfliehen zu können. Auf den letzten Metern erklärt sie mir noch, dass sie aufgrund ihrer Jacke für eine Segellehrerin gehalten wird. Am Hotel angekommen zeigt sie mir wo ihr Schlafzimmer liegt und das sie gezwungen ist, die meiste Zeit dort zu verbringen. Ich beende höflich das Gespräch und mache mich wieder auf den Weg zum Zeltplatz. Es hatte mittlerweile so doll angefangen zu regnen, dass ich mein T-Shirt unterwegs auszog, damit es nicht nass werden konnte.
Auf dem Zeltplatz wartete man schon auf mich und meine Begründung, wo ich die letzten Stunden gewesen sei. „Mir hat ’ne alte Frau ihr Schlafzimmer gezeigt!“ wäre wohl so ziemlich das blödeste gewesen, was ich hätte sagen können. Aber nein. Ich habe es nicht nur gesagt. Ich befriedigte die Neugier der Runde mit einer Kombination aus dieser dummen Antwort und meinem freien Oberkörper. So war gleichsam vorprogrammiert, dass diese Aussage so nur falsch verstanden werden konnte. Mit der gesamten Geschichte versuchte ich dann alles runter zuspielen, doch für meine FreundInnen war dies ungefähr ein Vier-Teile-Puzzle. Alte, unbekannte Frau, „Segellehrerin“, Schlafzimmer, nur noch ein paar Tage hier,…
Auch nach all den Jahren mag ich es noch nicht so recht glauben, doch außer mir zweifelt ja doch niemand mehr an mir und dem „Mythos der alten Frauen“…

…und noch etwas in eigener Sache! Da es Zeit und Umstände möglich und die Höflichkeit es nötig machen- ich wünsche Euch einen guten Rutsch mit viel Pyrotechnik und wenig Stress, sowie ein wundertolles Jahr 2013! Ich liebe Euch! :*