Das hat mit Fuszball nichts zu tun!

Es ist soweit! Das lange Warten hat ein Ende. Endlich steht wieder ein großes, internationales Fußballturnier auf dem Plan. Diesmal macht der EM-Zirkus in Polen und der Ukraine halt…
Der Fußball zeigt seine positiven Seiten. Bunt geschminkte Kinder, in Nationalfarben gefärbte Haare und eine einheitliche Kurve. Partystimmung ist angesagt! Vergessen die Rivalitäten zwischen Gladbach und Köln, Schalke und Dortmund oder Dresden und Rostock. Vergessen der ultrabrutale Platzsturm in Düsseldorf. Vergessen ob man sich überhaupt für Fußball interessiert.
Wenn Prinz Poldi stürmt ist alles andere sekundär. Sollte der Sturm sich allerdings als laues Lüftchen entpuppen, gibts in Deutschland plötzlich nahezu 80 Millionen Fußballexperten, die wissen wie Herr Löw hätte aufstellen sollen und sowieso der Meinung sind, dass sogar sie selbst die dicke Chance von gestern Abend genutzt hätten. Doch leider haben sie sich beim Montieren der Deutschlandfahne den Finger im Auto eingeklemmt und mussten der DFB-Elf absagen. Macht nix! Fußball lässt sich immer noch am besten aus dem Sessel sehen.
…und für die, die sogar den weiten Weg nach Polen/Ukraine auf sich genommen haben wird bestens gesorgt! Schon im Vorfeld hat man massenweise Straßenhunde sachgerecht entsorgt oder Studentenheime leergeräumt. Schließlich sollen sich die Gäste wie zu Hause fühlen. Dabei kann es schon mal zur Nebensache werden, dass jene die dort wirklich Zuhause sind, auf einmal ohne Wohnung dastehen. Wichtiger ist das Geld, das die Fußballtouristen mitbringen.
Doch es muss ja nicht der Fernseher oder gar das Stadion sein. Zum Glück gibt’s auch hier im Lande Stadionfeeling! Wer seinem Nationalstolz Ausdruck verleihen will, geht zum Public Viewing. Stundenlanges Stehen mit tausenden Gleichgesinnten, Fahneschwenken und lautes Deutschland-Singsang. Wer nicht mitmacht ist kein Deutscher…
Auch auf die Gefahr hin, dass mir wieder einmal vorgeworfen wird, ich sei kein „echter Deutscher“– hoffentlich ist der Spuk schnellstmöglich zu Ende. Hoffentlich verschwinden sämtliche, nationale Fanuntensilien. Hoffentlich hat die deutsche Nationalmannschaft, dann endlich Zeit auch mal mit dem gesamten Team nach Auschwitz zu fahren, um den Opfern zu gedenken und nicht nur wieder wie schon geschehen mit fünf Ausgewählten…

/Moritz