Audiolith macht das Unmögliche möglich

Eine Kleinstadt in Sachsen mit 25000 Einwohnern, davon viele Stumme Menschen und Tolerante Nazis und einer politischen Verwaltung, die in ihrer Stadt keine Nazis sieht. Oder einfach Limbach-Oberfrohna. Was der Bürgermeister in dieser Stadt nicht sieht, kann man als Außenstehender ganz leicht im Netz nachforschen. Denn in sämtlichen Suchmaschinen wird Limbach-Oberfrohna automatisch im Zusammenhang mit „Nazis“ vorgeschlagen und es gibt neben dem Ausflug eines Autos in das Kirchendach auch einige Berichte, die sich mit dem rechten Problem der Kleinstadt in der Nähe von Chemnitz auseinandersetzen. Alternativen Konzerten kann man dort keine Sicherheit gewährleisten, da diese Szene in Limbach-Oberfrohna kaum vorhanden ist und jederzeit mit Übergriffen von FaschistInnen gerechnet werden muss. Aus diesem Grund veranstaltete das Label Audiolith in dem Jugendhaus Rußdorf ein Konzert mit Feine Sahne Fischfilet, Supershirt und Egotronic…
So eine Kombination wollten sich ein paar Leute aus Vorpommern nicht entgehen lassen und so zeigte man Solidarität mit der Antifascist Action aus einem anderen Hinterland und fuhr mit 13 Menschen nach Sachsen. Pünktlich um 12 Uhr sollte es aus Stralsund losgehen und das Konzert sollte irgendwann pünktlich um 19 Uhr beginnen. Doch weder der Veranstalter noch wir hatten es an diesem Tag mit der Pünktlichkeit. So machten wir uns mit ein wenig Verspätung auf den Weg und fuhren durch Die langweiligsten Orte der Welt. In Limbach angekommen steuerten wir der Distel im Beton entgegen und am Eingang fiel einem der günstige Eintritt von 8 Euro in die Augen. Offensichtlich verzichtet man in Sachsen auf die sonst üblichen 8000 Mark.
Beim Eintreten ins Jugendhaus war der Saal kaum gefüllt und man hatte das Gefühl, dass die Hälfte der anwesenden Menschen aus Vorpommern kam. Dies änderte sich jedoch schnell und der Raum war recht gut gefüllt. Zur Bespaßung hatte irgendwer ein Luftballon mitgebracht und so wurde das Warten auf die erste Band verkürzt.
Um 20 Uhr ging das Raven gegen Deutschland (oder in dem Fall das Punken mit Trompete gegen Deutschland) endlich los. Feine Sahne Fischfilet betrat die Bühne und für einen Teil der KonzertbesucherInnen gabs nun No Limit mehr. Allerdings erwies sich die Bühne für die Kapelle als zu klein und so tanzte Monchi vor der Bühne rum. Leider machte es sich bemerkbar, dass Feine Sahne die erste und wohl unbekannteste Band an diesem Abend war. Aber zum Glück waren nicht Nur Raver anwesend, sondern auch ein paar tanzwillige Menschen, die dem Auftritt trotzdem einen würdigen Rahmen verliehen. Einen Vorteil hatte der Freiraum vor der Bühne trotzdem. Ich hab endlich mein langersehntes „Solo“ bekommen, wobei mir vom Mikro fast die Zähne ausgeschlagen wurden.
Bemerkenswert war, dass Monchi nicht auf das Ende vom Auftritt seiner Band wartete, sondern sich mitten im letzten Lied zum Merchandise verabschiedete und den Part des ersten Sängers jemand aus dem Publikum übernehmen musste.
In der Pause musste ich mir dann anhören, wie sehr ich stinke und sagte mir Was soll’s und zog meine Wechselsachen schon nach der ersten Band an. Dadurch verpasste ich leider den Anfang von Supershirt und als ich wieder im Jugendhaus ankam, hatte sich die Stimmung schon deutlich verbessert.
Nach Supershirt war dann Egotronic an der Reihe und sorgte mit noch Mehr Bass für noch mehr Stimmung und Torsun präsentierte sich in bester Hetzstimmung und ließ sich später noch dazu hinreißen Die Ärzte zu covern. Kurz vor 24 Uhr war das Konzert dann beendet und das Licht ging an, denn Es muss stets hell für Gottes Auge sein.
Für uns viel die offizielle Afterhour flach, denn wir machten uns sofort wieder auf den Weg nach Vorpommern. Allerdings gabs angeblich im Transporter noch eine sogenannte Miet-Auto Afterhour Party gegen Deutschland! Jedoch verging die Rückfahrt für die meisten wie im Schlaf und wurden erst wieder von dem Geruch de Küste geweckt.
Was bleibt von dem Abend? Ich persönlich bin Komplett im Arsch und kann sagen, dass es ein insgesamt cooler Abend war. Ein cooler Abend mit Leuten, die Die richtige Einstellung an den Tag legten und das sächsische Hinterland zum Brennen brachten. Bleibt zu hoffen, dass dieser Abend den Menschen in Limbach-Oberfrohna Mut gemacht hat und sie sich in Zukunft vielleicht nicht mehr ganz so Allein durch ihre Stadt bewegen müssen…

/Moritz