„Ups…übersehn!“

Irgendwann muss jeder einmal für eine Weile dem Hinterland entfliehen. Mich zog es daher wieder mal in die schöne Hansestadt Greifswald, fernab von Hühnern und Schafen. Um dorthin zu gelangen, entschied ich mich für den Bus…
Wenn man in Grimmen auf ein öffentliches Verkehrsmittel warten muss, gibt es einen ganz netten Zeitvertreib. Nämlich das Unkenntlichmachen von faschistischen Aufklebern. Auch diesmal half mir dies beim Warten… Ein paar Aufkleber später kam dann auch schon der Bus vorgefahren. Wie immer ein großer Bus, wie immer war ich einziger Fahrgast. Doch etwas war anders. Beim Einsteigen fiel mir auf, dass diesmal kein eingestaubter Busfahrer am Lenkrad saß, sondern eine quietsch-lebendige Busfahrerin. Schon beim Abkassieren verwendete sie ungefähr zwanzigmal so viele Wörter wie ihre KollegenInnen.
Nachdem es mit der üblichen Verspätung von fünf Minuten losging fragte sie mich dann quer durch den Bus, ob es mir recht sei, wenn sie das Licht ausmachen würde. Ich hab ihr sofort die Erlaubnis dazu erteilt, doch das reichte ihr noch nicht. Nun erklärte sie mir in verschiedenen Version, dass sie nichts sieht, wenn das Innenlicht an ist und es draußen regnet. Als ich mich gerade fragte wieso sie denn das Licht bei der Fahrt an hatte, als niemand drin saß, wurde mein Gedankengang sofort von ihrem Gelächter unterbrochen. Dem Gelächter folgte dann ein „Da ist ja noch so eine nasse Katze„-Schrei. Mit der nassen Katze war ein Mann gemeint, der an der nächsten Bushaltestelle im Regen stand. Beim Anhalten hatte sie dann schon den nächsten Spitznamen für ihn. „Ohhhhhhh…der Weihnachtsmann!“. Den Namen bekam er wohl aufgrund seiner zwei Einkaufstüten. Beim Einsteigen in den Bus schallte ihm dann aus ca. einem Meter Entfernung „Ohhhh lieber Weihnachtsmann. Danke dass du mir so viele Geschenke mitgebracht hast. Das wäre doch gar nicht nötig gewesen!“ entgegen. Sichtlich verdutzt suchte er sich dann einen Platz im Bus.
Ein paar hundert Meter weiter an einer Kreuzung dann der nächste Aufschrei. „Ups…übersehen! Hahahahahaha!“. Wen oder was sie dort übersehen hat ist mir schleierhaft, aber es sorgte doch für einen kleinen nervösen Moment!
Nachdem wir uns dann unfallfrei aus Grimmen raus gekämpft hatten, kam irgendwann eine rote Ampel. 100 Meter vor der Ampel fing die agile Frau dann an zu schreien „Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün! Grün!“. Nur leider hat all das Schreien nichts genutzt. Die Ampel weigerte sich schlichtweg auf Grün umzuschalten, worüber sich die Busfahrerin doch ziemlich beklagte.
Irgendwann kamen wir nach einer recht zügigen Fahrt dann doch pünktlich in Greifswald an. Die Fahrerin war die ganze Busfahrt über glücklich, nur über die Ampeln nicht und ich fragte mich woher sie ihre Freude nahm. Beim Aussteigen gab es für mich dann nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie hat den Bus geklaut oder sie hat einfach nur einen getrunken…

/Moritz


2 Antworten auf „„Ups…übersehn!““


  1. 1 Osthuhl 26. Dezember 2011 um 16:29 Uhr

    Welche Farbe hatte der Bus?

  2. 2 Administrator 26. Dezember 2011 um 20:15 Uhr

    Der Bus hatte eine eiweiße Grundierung und war mit einem ozeanblauen Balken dekoriert!

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